Freiberg feiert 250. Geburtstag ihres Oberberghauptmannes Freiherr von Herder
Mit einer besonderen Geste wurde an den 250. Geburtstag von Oberberghauptmann Herder in Freiberg erinnert. Eine Ehrung in dieser Art gab es in der Bergstadt bisher nicht. Die Arbeit Herders ist vor allem für den Bergbau und die TU von Bedeutung.
Von Mathias Herrmann (FP)
Freiberg – Mit einem bergmännischen Aufmarsch hat Freiberg an den 250. Geburtstag Siegmund August Wolfgang Freiherr von Herders erinnert. Bergleute der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft (HFBHK) sowie Vertreter der Bergakademie, der Stadt, des Oberbergamtes und Freiberger ehrten Oberberghauptmann Herder im Fackelschein an dessen Grabmal „Herders Ruh“.
Dabei wurde des Mannes gedacht, der von 1776 bis 1838 lebte und das Freiberger Berg- und Hüttenwesen wie kaum ein anderer prägte. „Eine Ehrung in dieser Art gab es in Freiberg bisher nicht“, sagt Dr. Jens Grigoleit vom Fremdenverkehrsverein.
Der Aufmarsch führte durch die Innenstadt vorbei am Oberbergamt und dem Herder-Haus zum Denkmal unterhalb der „Reichen Zeche“ zwischen Freiberg und Tuttendorf. „Der Geburtstag gibt den Anlass, zu zeigen, wie eng Herder mit dem Freiberger Bergbau und der Universität ewig verbunden ist“, betonte Prof. Dr. Jutta Emes, Rektorin der TU Bergakademie Freiberg.
Siegmund August Wolfgang Freiherr von Herder war der Sohn des Gelehrten und Dichters Johann Gottfried von Herder. Paten Herders waren unter anderem Johann Wolfgang von Goethe, Johann Georg Hamann und Matthias Claudius.
Der junge Herder studierte in Jena und Göttingen bevor er bei Abraham Gottlob Werner sein Studium an der TU Bergakademie begann. Nach einer kurzen Zeit in Polen wohnte er ab 1813 in Freiberg. Es folgte die Ernennung zum Vizeberghauptmann, zum Berghauptmann und 1826 die Berufung zum Oberberghauptmann.
Seine Ruhstätte hatte Herder präzise bestimmt. „Ich habe einen Platz gefunden, wo man mich begraben sollte.“ Seine Witwe kaufte den Boden für 500 Taler. Bei seiner Beisetzung im Winter 1838 folgte dem Sarg ein Trauerzug von 750 Berg- und Hüttenleuten sowie viele Freiberger.
„Hier ruht der Knappe treuester Freund“, lautet die Inschrift des Grabmals, die er selbst bestimmte. Knut Neumann, Ehrenbürger und langjähriger Vorsitzender der Historischen Berg- und Hüttenknappschaft, erklärt: „Herder wollte von seinem Grabmal auf sein Bergbaurevier blicken.“
Fast alle seine Vorgaben zu seinem Grab wurden Herder erfüllt, so Neumann. „Nur der Name „Freundschaftshügel“ hat sich nicht durchgesetzt.“ Seit 150 Jahren sagen die Freiberger „Herders Ruh“.
Vor dem bergmännischen Aufmarsch würdigte Bernhard Wagenbreth, Fachreferent für Geotechnik und Markscheidewesen an der TU-Bergakademie, Herders vielseitiges Wirken in Freiberg. Das Kolloquium war Teil der Reihe „Freiberger Geschichtsstunden“.
Unter Herders Leitung erhielt der sächsische Bergbau einen kulturellen und technologischen Aufschwung. Herder nutzte Steinkohle im Hüttenwesen, führte moderne Maschinen ein, brachte die Gasbeleuchtung in den Stollenbau.
Er entwarf den Rothschönberger Stolln als tiefen Entwässerungsstollen. Noch heute profitiere Freiberg von dem Stolln. „Während des Hochwassers 2002 blieb Freiberg verschont, weil das Wasser über den Stolln abfloss“, erinnerte Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer an die Bedeutung Herders vor dem Oberbergamt.
Referent Wagenbreth betonte: „Manches, was Herder zugeschrieben wird, begleitete er nur administrativ, anderes geht direkt auf ihn zurück. Aber man muss alles zusammen sehen, dann ist seine Leistung beeindruckend und unumstritten.“ Herder, so der Experte, sei ein Netzwerker seiner Zeit gewesen.
Herders Leben und Wirken prägen bis heute den Bergbau, die akademische Bildung, das Wirken des Oberbergamtes sowie Freiberg als Bergbaustadt. Die festliche Gedenkveranstaltung zum 250. Geburtstag machte deutlich: Freibergs Bedeutung als Zentrum der Bergbau- und Hüttenkunst hat eine lange Geschichte. Siegmund August Wolfgang Freiherr von Herder war einer ihrer prägendsten Persönlichkeiten. (herma)
Zitat:
„Hier ruht der Knappe treuester Freund.“ Inschrift am Grabmal von Herder

Mitglieder des Bergmusikkorps Saxonia zur Erföffnung des Herdergedenkens, Foto: Knut Neumann

Foto: Mathias Herrmann

Foto: Mathias Herrmann
Foto: Mathias Herrmann


