01.06.2011 – Bergparade zum 33. Evangelischen Kirchentag in Dresden

Bergparade und Kirchentag – wie geht das zusammen?

Unsere Vereinsmitglieder waren zu Teilen doch etwas irritiert, als der Landesverband der sächsischen Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine die erzgebirgischen Knappschaften, darunter die Historische Berg- und Hüttenknappschaft mit immerhin 50 Bergkameraden, am Eröffnungsabend des 33. Evangelischen Kirchentages zur Bergparade nach Dresden rief.

Viele unserer Bergkameraden sind mit der Kirche, genauer mit der Institution Kirche, in keiner Weise verbandelt. Da lag es nahe, nach dem Sinn einer solchen Veranstaltung zu fragen.

Die Antwort finden wir in unserer Traditionslinie, repräsentieren wir doch 800 Jahre Erzbergbau im Freiberger Revier. Bergleute zeichnete über viele Jahrhunderte eine tiefe Gläubigkeit und Frömmigkeit aus. Was wußten unsere Altvorderen von Tektonik, Vulkanismus und Gebirgsbildung, von hydrothermaler oder sedimentärer Lagerstättenentstehung; wissenschaftliche Geologie und Mineralogie kamen erst mit Abraham Gottlob Werner zur Geltung. So war es denn natürlich , daß in Gott, dem Großen Bergfürst, der übernatürliche Regler all dieser Dinge gesehen wurde. Von ihm erflehten Bergleute reichen Anbruch genauso, wie sie um die Bewahrung vor den tausend Unwägbarkeiten und tödlichen Gefahren der sie umgebenden feindlichen Arbeitswelt beteten. Ihm dankten sie in vielerlei Ausdrucksarten, sei es durch die Namensgebung der Gruben, wie z.B. Segen Gottes, Gnade Gottes, Reicher Segen Gottes, Himmelfahrt Fundgrube oder mit dem Bau von Bergkirchen, der Gestaltung von Bergaltären, der Einrichtung von Betstuben in den Huthäusern. Hunderte von Bergmannsliedern haben religiöse Motive: „Herr, der du meine Pfade lenkst“, „Lobt Gott, ihr Bergleut` all`zu gleich“,“ Mit Freuden will ich heben an“.

Viele dieser Dinge sind uns erhalten geblieben und wir pflegen sie mit Achtung und großem Respekt als Denkmale des Könnens und des Fleisses unserer Altvorderen sowie der durch sie mit geschaffenen berg- und hüttenmännischen Kultur. So sind beispielsweise Berggottesdienste häufig Bestandteil einschlägiger Veranstaltungen.

In diesem Sinne machten wir uns am ersten Juni auf den Weg nach Dresden.

Pünktlich um 20 Uhr setzte sich die Parade mit ca. 350 Uniformträgern, begleitet von drei Bergkapellen mit dem Landesbergmusikkorps an der Spitze, in Bewegung. Vom Theaterplatz ging es in Richtung Kulturpalast. Von dort zum Neumarkt, an der Frauenkirche vorbei, zum Terassenufer, über die Augustusbrücke nach Neustadt. Nach etwa 3,5 km Marschstrecke fand schließlich in der Nähe des Hotels Bellevue ein Berggottesdienst statt.

War die Paradestrecke von vielen freundlichen und auch begeisterten Kirchentagsbesuchern gesäumt, die uns mit viel Beifall und auch hier und da mit unserem Gruß „Glück auf!“ begleitete, folgte beim Berggottesdienst eine erhebliche Trübung der Stimmung. Die Organisatoren waren nicht in der Lage, eine den Bedingungen angemessene Beschallung zustande zu bringen. Jede drittklassige Rockband verfügt über bessere Technik…So standen wir etwas hilflos herum und mußten die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes „überstehen“, bis das Kommando zum Abmarsch kam, und die Parade den Platz verließ, um sich in der Nähe des Bahnhofs Dresden-Neustadt aufzulösen , wo die Busse zur Heimfahrt bereitstanden.

Leider hatten, aus welchen Gründen auch immer, die Organisatoren unser leibliches Wohl gänzlich aus den Augen verloren. Es muß ja nicht gleich ein Abendmahl sein…

Fazit: Wir waren zwar eine attraktive, aber eben eine kaum erwähnte Randerscheinung am Eröffnungsabend des Kirchenfestes.

 

Bergkamerad

Dr. Eberhard Pönitz

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