10.08.2015 – Die Fachgruppe Bergbaugeschichte der HFBHK auf Grubenbefahrung im Osterzgebirge

Der August eines jeden Jahres ist für die Fachgruppe Bergbaugeschichte der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft Exkursionszeit.

In diesem Jahr war das Kalkwerk Hermsdorf im Osterzgebirge das Ziel von 15 Bergkameraden der Fachgruppe. Dieses Bergwerk mit angeschlossener Aufbereitungsanlage gehört als einer von drei Standorten (neben Hermsdorf Lengefeld mit Verwaltungssitz und Hammerunterwiesenthal) zum Bergbauunternehmen GEOMIN Erzgebirgische Kalkwerke GmbH. Das Unternehmen erschließt im Erzgebirge die größten in Abbau befindlichen Vorkommen von hochkristallinem Marmor (Calcitmarmor). Die Lagerstätte Hermsdorf entstand vor etwa 510 Millionen Jahren, d.h. im Erdzeitalter mittleres Kambrium.

Hauptgrubenzugang ist ein Schrägstolln, der auch als Förderrampe für den Rohmarmortransport mit Hilfe von 10-Tonnen-Muldenkippern der Firmen GHH (Gutehoffnungshütte) und Atlas Copco nach Übertage zur Aufbereitung genutzt wird. Aus- und Vorrichtung richten sich nach der Lage und dem Einfallen der einzelnen Vorratsblöcke unter Maßgabe der technischen Leistungsparameter der eingesetzten Bergbaugroßgeräte. Als Abbauverfahren kommt ein modifizierter offener Kammer-Pfeiler-Bau (auch als Örter- Festen-Bau bezeichnet) zur Anwendung. Die Abbaukammern besitzen als Parameter 4m (max. 8m) Breite und 6m (max. 9m) Höhe; die Pfeiler 8 mal 8m Pfeilerfläche. Die Abbautechnologie besteht in Bohrarbeit mit elektrohydraulichen Bohrwagen und konventionellem Sprengen ; zur Förderung des Haufwerkes sind gleislose dieselmotorgetriebene LTF (Lade-Transport-Fahrzeuge) wie Schaufelfahrlader und Muldenkipper im Einsatz. Nichtförderfähiges Material wird als Teilversatz genutzt. Zur Sicherung des Vorratsvorlaufs wird geologische Erkundung auf 100m mit einem Kernbohrgerät betrieben. Die Bewetterung erfolgt über Ventilatoren und Luttentouren. Die Sicherung des Hangenden betreibt man über ein Beraubefahrzeug, das Einbringen von Spreizhülsenankern und bewehrtem Spritzbeton.

Bevor aus dem Rohmarmor absatzfähige Produkte entstehen, muss er in der Aufbereitung behandelt werden. Nach einem zweistufigen Brechprozess mit nachgeschalteter Trocknung wird der Marmor in einer dritten Verfahrensstufe mit Hilfe optischer Sortierung von dunklen Nebengesteinsteilen getrennt. Die gewünschte Endproduktfeinheit wird mit zwei Einkammerkugelmühlen erzielt. Es folgt die Klassierung mit Sichteranlagen und dem Einsatz von Magnetscheidern. An Endprodukten werden angeboten: Füllstoffe, getrocknete Körnungen, Terrazzokörnungen, runde Ziersteine, Produkte zur Garten- und Landschaftsgestaltung und Leichtfüllstoffe.

Anwendung findet der vor Ort veredelte mehr als 500 Millionen alte Rohstoff sowohl in der Bauchemie, in der Kunststoff-, Beton- und Putzindustrie als auch bei der Farben- und Lackherstellung.

Die an der Exkursion teilnehmenden Bergkameraden haben allen Grund, unserem Fachgruppenchef Rolf Börner für das Aufspüren, Anbahnen und die organisatorische Vorbereitung der Befahrung zu danken. Es handelte sich schließlich um ein in Produktionsbetrieb befindliches Bergwerk, das wir befahren durften. Wer einigermaßen mit der Materie vertraut ist, weiß, dass sich eine solche Möglichkeit nicht so ohne weiteres bietet.

Als sach- und fachkundige Begleiter während unserer Befahrung standen uns der stellvertretende Grubenleiter und der Chefgeologe zur Seite. Auch ihnen sind wir für ihre eindrucksvollen fachlichen Erläuterungen zum Grubenbetrieb zu großem Dank verpflichtet. Ihren Ausführungen wurden mit lebhaftem Interesse gefolgt. Viele fachbezogene Fragen ergaben sich schon deshalb, weil unsere Bergkameraden zumeist über langjährige eigene Bergbauerfahrungen verfügen.

Für uns war es eine sehr instruktive Befahrung und eben auch eine Chance, wieder einmal „Grubenluft zu schnuppern“.

Bergkamerad

Dr. Eberhard Pönitz

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