Der Knappschaftsälteste am Schüppchenberg in Freiberg- Teil des Silberstadtweges

 

Beitrag verfasst von Knut Neumann/Friedhelm Schelter

Unsere Bergstadt Freiberg erhält in diesem Jahr ein weiteres Highlight zur Unterstützung der Welterberegion – den Silberstadtweg. Überlebensgroße Figuren aus Neusilber, geschaffen von unterschiedlichen Künstlern bieten eine Wanderung auf Geschichtspfaden durch unsere Silberstadt.

Bei der Übergabe der vierten Figur, dem Bergknappschaftsältesten auf dem Schüppchenberg, war auch unser Verein gefragt. Unser Vereinsmitglied Klaus Hambel stand neben der Metallfigur in seiner Knappschaftsuniform mit dem Künstler des Werkes für die Fotografen und Schaulustigen Modell. Geschaffen hat die Figur der Holzbildhauermeister Friedhelm Schelter aus Königswalde/Erzg.

Unser Verein hat zum Künstler seit vielen Jahren Verbindung. Er hat für unsere Knappenstube im Jahr 2017 die fast lebensgroße Bergbauheilige des Erzgebirges, die Maria-Magdalena, aus dem Holz gearbeitet. Darüber hinaus schnitzte er im Auftrag unseres Vereins Figuren von bisher fünf Gewerke in Holz und weitere sollen folgen.

Was ihn bewogen hat, sich am Wettbewerb zu beteiligen, wie der Ablauf war und was aus Sicht des Künstlers die Figur ausdrückt, hat er für uns niedergeschrieben. Dafür gilt ihm unser Dank.

„Im Rahmen einer Ausschreibung für Künstler zur Gestaltung von 24 Skulpturen des geplanten Silberstadtweges durch Freiberg bewarb ich mich mit einem Entwurfsmodell des Knappschaftsältesten. Durch meine langjährigen Kontakte zu den Leuten der Historischen Berg- und Hüttenknappschaft Freiberg gelang es mir, ein detailgenaues Modell zu gestalten, welches offensichtlich Gefallen bei den Juroren fand und überzeugen konnte. So erging Mitte 2022 der Auftrag an mich, ein Gipsmodell im Maßstab 1:1 (Gesamthöhe ca. 2,40 m) herzustellen für die spätere Abformung und den Guss in Neusilber. Ursprünglich sollte bereits im Januar 2023 das fertige Modell zur Verfügung stehen, jedoch kam es durch verschiedene Umstände zu mehrfachen Terminverschiebungen. Das kam mir entgegen, zumal ich für die aufwändige Arbeit extra einen (unbeheizten) Raum anmieten musste und die Tätigkeiten in die Sommermonate 2023 verlegen konnte, wodurch ich bei guten Lichtverhältnissen und ausreichend warmen Temperaturen arbeiten konnte. Da mir die Arbeit mit Gips in dieser Größenordnung völlig fremd war, begann eine sehr spannende und lehrreiche Zeit. Für das Grundgestell aus Eisenstäben lernte ich das Schweißen, baute den Grundkörper mit Styrodur (Hartschaum) auf, brachte ihn schon in die vorläufige Form und gestaltete die Oberfläche mithilfe von Gipsbinden und feinem Modellgips. Das ermöglichte ein sehr detailgenaues Arbeiten. Mir war dabei wichtig, die Strukturen der Bearbeitung mit Spachtel, Raspel und verschiedenen Schleifmitteln sichtbar und fühlbar zu machen. Es hat mir große Freude bereitet, den Bergmann „wachsen“ zu sehen und ihm am Ende in Gestalt des Gesichts und der Hände Leben einzuhauchen. Fachliche Begleitung erhielt ich von Prof. Uli Eißner aus Dresden und dem Kurator Dieter Höfer aus Dresden, die zu Zwischen- und Endabnahme in meine Werkstatt kamen. Dabei war ich sehr dankbar, dass sie keinen Grund zur Bemängelung oder Veränderung fanden, sodass ich meine Tätigkeit mit einigen technischen Hinweisen von Prof. Eißner zur Weiterbearbeitung im August 2023 nach ca. 3 Monaten beenden konnte. Von da an befand sich das Gipsmodell in der Werkstatt von Kunstguss Ihle in Dresden zur Abformung in Silikon bis zur Fertigstellung des Gusses. Dieser aufwändige Prozess zog sich dann bis Mai 2024 hin, sodass letztendlich am 30. Mai 2024 die in Neusilber gegossene Skulptur „Glücklicher Bergmann“ (wie sie zwischenzeitlich umbenannt wurde) am Schüppchenberg in Freiberg auf einem soliden Fundament montiert und der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Für den Guss waren sehr viele vorbereitende Schritte nötig, die auch damit einhergingen, mein Gipsmodell in mehrere Einzelteile zu zerschneiden, da eine gesamte Abformung im Stück unmöglich ist. So entstanden in mehreren Arbeitsschritten die einzelnen Teile aus Wachs in der zukünftigen Wandstärke des Neusilbers. Diese Teile aus Wachs wurden wiederum in Gips und Schamotte eingebettet, das Wachs ausgeschmolzen und der entstandene Hohlraum mit Neusilber ausgegossen. Die fertig gegossenen Einzelteile wurden dann wieder zu einem Ganzen verschweißt und mithilfe eines Innengerüstes stabilisiert. Die Wandstärke des Metalls beträgt durchschnittlich max. 1 cm. Damit kommt ein Gewicht von ca. 350 kg zustande. Die wichtigen Tätigkeiten bis zur Vollendung der Skulptur sind das Ziselieren der Schweißnähte und der Auftrag der Patina. Dadurch erhält die Figur die wunderbare Optik der natürlichen Alterung und die Bearbeitungsstrukturen werden noch einmal hervorgehoben. Zum dauerhaften Schutz der Oberfläche wurde die ganze Skulptur mit einem Klarlack versiegelt.

Mittlerweile bin ich wieder im Besitz der z.T. ziemlich in Mitleidenschaft  gezogenen Einzelteile meines Modells. Ich möchte den Knappschaftsältesten in Gips gerne wieder aufbauen und zu gegebener Zeit an einem geeigneten Ort der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Zur Haltung und Gestik des Knappschaftsältesten möchte ich noch ein paar Gedanken nennen. Der Titel „Glücklicher Bergmann“ trifft meine Gestaltung eigentlich nicht. Ich möchte einen nachdenklichen, aber auch zufriedenen Bergmann darstellen, dem seine Verantwortung für die gesamte Knappschaft aber auch für die Qualität des geförderten erzhaltigen Gesteins abzuspüren ist. Für die Präsentation der Gesteinsproben hat er sich sein Habit angezogen, wodurch sein Stand und auch ein wenig sein Stolz sichtbar werden.

Vermutlich stand er immer in dem Zwiespalt, verantwortlich für die Knappschaft zu sein und gleichzeitig dem Druck gewachsen zu sein, rechtzeitig das Erz in geforderter Qualität und Menge bereitzustellen. Als frommer, gottesfürchtiger Mann war er sich jederzeit auch der Gefahren und der Endlichkeit bewusst, die mit der Ausübung des Berufes eines Bergmannes einhergingen. Schließlich soll meine Figur auch ein Hinweis darauf sein, dass Wohlstand und Zufriedenheit im ursächlichen Zusammenhang mit ehrlicher Arbeit stehen. Und ja, Glanz und Prunk unserer Landeshauptstadt wurden auch und wesentlich durch den Fleiß der Bergleute möglich und sichtbar. Insofern schwingt in der Person des Knappschaftsältesten auch eine gewisse Genugtuung darüber mit, dass für dieses gesamte Projekt „Silberstadtweg Freiberg“ auch ein „Rückfluss“ von Finanzen aus Dresden ins Ursprungsland des Silbers zu verzeichnen ist. Und dass diese Skulptur ausgerechnet an dem Ort ihren Platz gefunden hat, wo der Sage nach der erste Silberfund vor ca. 850 Jahren den Grundstein für Freibergs Aufstieg gelegt hat, ist eine perfekte Wahl. Darüber kann der Bergmann schon ein wenig glücklich sein. Und der Bildhauer ist es auch.

Mein Dank gilt allen, die dieses einmalige Projekt und meine Skulptur insbesondere ermöglicht, gefördert und aktiv unterstützt haben und nicht zuletzt der Firma Kunstguss Ihle aus Dresden, die mein Modell sehr gut in Neusilber umgesetzt hat.

 Königswalde, im Juni 2024

 Friedhelm Schelter, Bildhauer“

 

Friedhelm Schelter, der von ihm geschaffene Knappschaftsälteste und Klaus Hambel in der Uniform des Ältesten, Foto Knut Neumann

Der Knappschaftsälteste am Schüppchenberg, Foto Knut Neumann

Auch die Maus, die an jeder Figur von Kindern gesucht werden kann, hat sich am Silbertrog versteckt, Foto Knut Neumann

Figur der Gewerke der Hüttenknappschaftsältesten, Friedhelm Schelter, 2021, Foto Archiv HFBHK

Maria Magdalena und der Künstler Friedhelm Schelter, Foto Archiv F. Schelter

 

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