Bergmusiker

Die Bergmusik hat im sächsischen Berg- und Hüttenwesen eine über Jahrhunderte gehende Tradition. Für die ersten Musikervereinigungen wurden noch die zu verwendenden Instrumente durch den Landesherren vorgegeben. Aus der Forschung kennt man Saiteninstrumente wie die Zister, das gerollte Arschleder als Bass und die große Triangel. Doch auch reine Gesangsgruppen wie die Bergsänger, existierten schon zu dieser Zeit. Andere Blas- und Saiteninstrumente und Pauken waren nicht zugelassen. Diese Art der Bergmusik wurde zu Festen und im Stand während der Aufzüge gespielt.
Erst zum Beginn des 19. Jahrhunderts sorgte im Montanwesen die Marschmusik, wenn die Berg- und Hüttenleute Sachsens in ihren schmucken, farbenfrohen Uniformen vor Gästen ihrer Bergstädte auftraten, für den richtigen Schritt. Unter dem Oberberghauptmann Sigismund August Wolfgang Freiherr von Herder erfolgte ein noch nie dagewesener Aufschwung bergmännischer Musik in Freiberg und im Gebirge. Seiner Initiative sind Liedgutsammlungen, die Schaffung des Singspiels „Der Bergmannsgruß“ (Musik August Ferdinand Anacker, Dichtung Moritz Wilhelm Döring) und der verstärke Einsatz von Russischen Hörnern zu verdanken. Nach seinem Tod und später mit dem Untergang des sächsischen Silberbergbaus kam die Bergmusik auch in Freiberg fast vollständig zum Erliegen. Kapellen, die bergmännische Musik weiter in ihrem Repertoire hatten, gab es aber immer wieder.
Aus der ehemaligen Hüttenkapelle Halsbrücke und weiteren Musikern entstand 1946 die Blaskapelle der Bleierzgruben „Albert Funk“. Die Männer und Frauen dieser Kapelle bildeten den Grundstock des im Jahr 1961 gegründeten Kombinatsblasorchesters des VEB Bergbau- und Hüttenkombinates „Albert Funk“ durch eine einfache Namensänderung. Heute werden die Traditionen der Bergmusik im Freiberger Raum vor allem vom gemischten Chor der HFBHK, den Freiberger Bergsängern und dem Bergmusikkorps Saxonia e.V. hoch gehalten. Letzterer gibt zur Gründung auf seiner Internetseite folgenden Hinweis: „Am 21.02.1991 haben die Orchestermitglieder den eingetragenen, gemeinnützig tätigen Verein Bergmusikkorps Saxonia e.V. gegründet, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die bergmännische Musik und das bergmännische Brauchtum der Region zu pflegen.“ Die genannten „Orchestermitglieder“ gehörten zum ehemaligen Kombinatsblasorchester.

Unsere historische Freiberger Berg- und Hüttenparade basiert auf Uniformen aus der Zeit um 1855. Zu dieser Zeit gab es keine vom Oberbergamt gefördert Musik. Deshalb entschieden sich die Verantwortlichen für einen Kompromiss. Sie übernahmen Musikeruniformbestandteile aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts und vereinigte diese mit den damals aktuellen Offiziantenuniformen.

Bergmusiker

Es entstand eine Paradeuniform mit folgenden Bestandteilen:
Schwarze Puffjacke, Armtour (schwarze Fransen) und Aufschlagspatten sowie Ärmelaufschläge in Rot. Die Jacke wird vorn in der Mitte mit neun großen Knöpfen geschlossen. Auf den Aufschlagspatten sind drei kleine Knöpfe, wovon zwei Knöpfe zu sehen sind (der dritte ist unter dem Aufschlag). Über der Armtour ist der Stoff gepufft, genau wie hinten, in der Mitte, ab der Taille abwärts. Zwei Knöpfe sind hinten links und rechts neben der Puffe aufgenäht. Hinten links und rechts der Taille befindet sich je eine Tasche. Diese sind mit dreispitzigen Klappen versehen. Unter jeder der drei Spitzen sitzt ein großer Knopf. Alle Knöpfe tragen Schlägel und Eisen. Die großen Knöpfe sind 1 Zoll groß, die kleinen 5/8 Zoll. Weiße, enge Kniebundhosen, weiße Gamaschen und schwarze Schuhe mit weißen Socken vervollständigen die Kleidung. Eine schwarze Halsbinde wird zum Schutz des Kragens getragen. Sie ist aus weichem, weißem Leder, auf dem schwarze Pferdehaare aufgenäht sind, oder sie besteht einfach aus schwarzem, glänzendem Tuch.
Bei den Musikern entfallen die weißen Handschuhe. Der Schachthut ist aus grünem Filz, das Material ist glatt. Er muss 7 Zoll hoch sein, wobei der Durchmesser, der oben und unten gleich ist, durch die Kopfgröße bestimmt wird. Links am Hut wird die grün/weiße Nationalkokarde getragen. Darüber ist eine 7 Zoll hohe Feder, unten schwarz, oben rot angebracht. Oben am Hut ist eine Einfassung in Form der 5-schartigen Meißner Mauerkrone aufgenäht. Unten ist die gleiche ½ Zoll breite goldene Tresse einfach, umlaufend, ½ Zoll vom Hutrand entfernt, angebracht. Das Schild, das sich vorn am Hut befindet, ist ein goldenes Wappenschild, das sächsische Wappen vor dem Hermelinmantel, es ist gekrönt.
Auch die Musiker tragen das Arschleder und die Kniebügel. Sie sind aus schwarzem Leder, schwarz gefüttert und mit einer schwarzseidenen Goldschnur eingefasst.
Nur der Dirigent des Chors trägt ein Steigerhäckchen, der Dirigent der Kapelle trägt den Taktstock, die übrigen Musiker ihr Musikinstrument. Als Zeichen der Musiker ist ihre Uniform mit sogenannten Schwalbennestern bestückt, diese sind schwarz mit gestreifter, goldener Borte besetzt und sie sind am oberen Teil der Ärmel, direkt an der Achsel angebracht. Schwalbennester mit gekreuzter Borte sind den Mitgliedern vorbehalten, die durch den Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine mit dem Titel „Bergmusikmeister“ oder Bergliedermeister“ ausgezeichnet wurden.
Die Uniform des Dirigenten unterscheidet sich vom Musiker dadurch, dass an seiner Uniform der Stehkragen in rotem Samt gehalten ist. Zu seiner vollständigen Paradebekleidung gehört außerdem der Säbel mit dem Wehrgehänge. Das Porte-épée am Säbel ist gold/schwarz. Das Koppel war 1842/1853 ein scharlachrotes Tuchkoppel mit einem Schlangenschloß. Der Säbel mit den zugehörigen Utensilien wurde nur zum ersten Aufmarsch getragen. Es hat sich gezeigt, dass dieser beim Dirigieren sehr hinderlich ist, damit erfolgte der Beschluss des Wegfalls.

 

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