Schauanlage Technisches Denkmal - Zylindergebläse Muldenhütten Drucken
Schon beim Beginn der Verhüttung silberhaltiger Erze, wurden Gebläse für die Schmelzöfen eingesetzt. Anfangs waren dies einfache Konstruktionen aus Leder und Holz, bis Anfang des 19. Jahrhundert, auf Grund des Einsatzes von Steinkohle und Koks für die Hüttenprozesse, eiserne Zylindergebläse eingeführt wurden. Am 29. Januar 1828 wurde ein solches Zylindergebläse in der Muldener Schmelzhütte in Betrieb genommen. Gebaut wurde es im Hochgräflich von Einsiedelschen Eisenwerk in Lauchhammer.

Dieses Zylindergebläse ist ein Balanciergebläse mit zwei doppelwirkenden Zylindern und es wurde durch ein Wasserrad angetrieben. Das Gebläse versorgte vier Schachtöfen, zwei Silberbrennherde und zwei Schmiedefeuer mit ausreichendem Wind. Im Jahre 1848 wurde das Gebläse, auf Grund steigendem Windbedarf für die Schmelzöfen, umgebaut. Zu den beiden vorhandenen Zylindern wurde ein dritter Zylinder aufgestellt und das Wasserrad durch eine Fourneyron-Turbine (eine von innen beaufschlagte Radialturbine mit stehender Welle) ersetzt. So war das Zylindergebläse Muldenhütten bis 1954 in Betrieb, versorgte aber ab Ende der 20-iger Jahre nur noch die Hüttenschmiede mit Gebläseluft.

Ende 1986 begannen die Mitglieder der Fachgruppe Hüttengeschichte mit den ersten Erhaltungsarbeiten, bis zielgerichtet von 1991 bis 1993, im Rahmen einer ABM-Maßnahme, die gesamte Anlage (Gebläsehaus, Gebläsemaschine und Wassergraben) restauriert wurde. Am 16. Juni 1993, zum Agricola-Kolloquium des Berg- und Hüttenmännischen Tages der Technischen Universität Bergakademie Freiberg, konnte Besuchern das Zylindergebläse wieder in Betrieb vorgeführt werden. Mit der Übergabe dieses Denkmalkomplexes an die Fachgruppe Hüttengeschichte im April 1994, wurde dieses Objekt einer musealen Nutzung zugeführt und die notwendigen Erhaltungs-, Säuberungs- und Wartungsarbeiten durchgeführt. Im Galeriebereich des Gebläsehauses ist eine Ausstellung zur Geschichte des Hüttenwesens aufgebaut. Seit der Restaurierung des Zylindergebläses werden Vorführungen durch die Fachgruppe Hüttengeschichte organisiert, so zum jährlich stattfindenden "Tag des offenen Denkmals".

Das Muldenhüttener dreizylindrige Balanciergebläse war das erste Zylindergebläse im sächsischen Hüttenwesen und steht als einziges der drei Zylindergebläse noch an seinem Originalstandort, wo es in Betrieb vorgeführt werden kann (das "Lauchhammer-Gebläse" aus der Hütte Halsbrücke steht heute vor dem Lauchhammerwerk und das "Schwarzenberg-Gebläse" aus der Antonshütte, später in der Hütte Halsbrücke in Betrieb, steht heute auf der Grube "Alte Elisabeth").
 
 

Besichtigungsmöglichkeiten


Geöffnet ist das technische Denkmal Zylindergebläse Muldenhütten zum Tag des Berg- und Hüttenwesens am ersten Sonntag im Juli und nach Voranmeldung.

Kontaktperson für Gruppenführungen ist Roland Kowar, Tel.: +49 3731 32981